Juni 2022

Blick in den Theatersaal des Stadttheaters Grein
Theatersaal Foto: Bundesdenkmalamt, Irene Hofer

Österreichs ältestes regelmäßig bespieltes Stadttheater: Das Stadttheater Grein (Oberösterreich)

Das Stadttheater Grein ist das älteste, noch regelmäßig bespielte Stadttheater in Österreich. 1791 gründeten Greiner Bürger mit dem Magistrat der Stadt im Getreidespeicher des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Rathauses die Spielstätte. Die Idee dahinter war, durch regelmäßige Aufführungen die Armenkasse der Stadt zu füllen, bis heute findet ein regelmäßiger Spielbetrieb statt.

Die letzte Restaurierung wurde 1991 durchgeführt und war in die Jahre gekommen. Zur Restaurierung des Theatersaals als Hauptaufgabe musste auch die nötige Infrastruktur errichtet werden, da man bislang keine Künstlergarderobe zur Verfügung hatte, der Zugang erfolgte über eine steile Holztreppe und war nicht barrierefrei. Befundungen aus dem Jahr 2007 zeigten schon die Komplexität der Restaurierung auf, zahlreiche Nachbefundungen und das Anlegen einer Musterfläche im Theatersaal führten schließlich 2021 zur Festlegung des Restaurierziels und zum Beginn der Arbeiten.

Das Ziel war ein schlüssiges Gesamtkonzept für das gesamte Stadttheater zu finden – nicht nur für den Theatersaal, wenngleich er natürlich das Herzstück ist – sondern auch die Anbindung des barrierefreien Zubaus an die historische Bausubstanz, die Restaurierung der Fassaden und der weiteren Innenräume (Museum, Garderobe, etc.). Als teilweise schwierig gestaltete sich die Meinungen der Bevölkerung mit den Befundungen und dem Restaurierziel übereinzustimmen, als Beispiel seien hier die Fassaden genannt, welche auf Grund von Befundungen wieder auf die gebrochen weiße einheitliche Farbgebung zurückgeführt wurden, oder der über Jahrzehnte falsch aufgerollte Theatervorhang, der dadurch ein großes Schadensbild zeigte.

Zahlreiche Restaurator:innen (Fachgebiete: Wand, Metall, Stein, Holz (gefasst und ungefasst), Gemälde) wirkten zusammen und mussten auch genauestens abgestimmt werden, gerade in der Endphase war dies eine große Herausforderung. Die Möglichkeit im Theatersaal gänzlich zur barocken Gestaltung zurückzukehren, war durch die Umgestaltungen von 1947 und 1991 nicht mehr möglich. Daher war das Restaurierziel für den Theatersaal einen gepflegten, aber alterswertigen Raumeindruck wiederherzustellen und mit den Einbauten und Umgestaltungen der Restaurierungen des 20. Jahrhunderts respektvoll umzugehen, sowie sich mit den Farbfassungen an die heute prägende Raumgestaltung der Jahre 1875/76 anzunähern.

Eine große restauratorische Herausforderung war die starke Verbräunung der Oberflächen, speziell an der Brüstung, die der ursprünglich kühlen Farbgebung des 18. Jahrhunderts entgegenstand. Eine weitere Aufgabe stellte die Restaurierung des historischen Fußbodens dar, der, für einen Theaterbetrieb störend, stark knarrte. Durch sanftes Herauslösen der Bretter und Herstellung eines neuen Unterbaus, konnte der gesamte Boden erhalten werden. Die Restaurierung der Sperrsitze, eine Besonderheit des Stadttheaters Grein, und die weitere Bestuhlung, die durch Anobienbefall zum Teil stark angegriffen waren, bildete eine weitere Herausforderung, da teilweise die Stabilität nicht mehr gewährleistet war. Die Verbindung zwischen zeitgemäßer, moderner Theatertechnik und der respektvolle Umgang mit der historischen Bausubstanz konnte am Ende zufriedenstellend für alle Beteiligten gelöst werden.