Ein vergessenes Kunstwerk kehrt heim Die Restaurierung des Fastentuchs aus dem Karmelitenkloster Linz
Ein außergewöhnlicher Fund im Karmelitenkloster Linz rückte kürzlich ein lang vergessenes Kunstwerk wieder ins Licht der Öffentlichkeit: ein barockes Fastentuch, das dem bedeutenden Maler Bartolomeo Altomonte zugeschrieben wird. Jahrzehntelang lagerte es unbeachtet in einem Nebenraum, bis es im Zuge von Aufräumarbeiten wiederentdeckt wurde. Der schlechte Erhaltungszustand machte eine fachgerechte Restaurierung notwendig. Eine zentrale Rolle in diesem Prozess übernahm das Bundesdenkmalamt, das mit seiner fachlichen Kompetenz und langjährigen Erfahrung im Bereich der Denkmalpflege die Restaurierungsarbeiten koordinierte und begleitete. Die Umsetzung erfolgte in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung, wo spezialisierte Restauratorinnen und Restauratoren das Projekt betreuten.
Das rund vier mal zwei Meter große Fastentuch wies zahlreiche Schäden auf: Risse, Deformierungen sowie vorangegangene Überarbeitungen, hatten dem textilen Bildträger und der Malerei erheblich zugesetzt. Ziel der Restaurierung war es, das Kunstwerk zu stabilisieren, seine Lesbarkeit wiederherzustellen und die Nutzung im liturgischen Kontext wieder zu ermöglichen.
Mittels moderner Untersuchungsmethoden wurden Material, Maltechnik und Schadensbilder genau befundet. Auf dieser Grundlage konnte ein maßgeschneidertes Restaurierungskonzept entwickelt werden, das sowohl dem kunsthistorischen Wert, als auch den konservatorischen Anforderungen entspricht. So wurde der Bildträger durch die Entfernung der Doublierung und der anschließenden Rissverklebung stabilisiert und Übermalungen wie auch alte Kittungen entfernt, damit das Fastentuch wieder flexibler wird und punktuell an den notwendigen Stellen die Fehlstellen fachgerecht geschlossen werden konnten. Des Weiteren wurde ein neues Hänge- und Lagerungskonzept entwickelt, damit die weitere Verwendung das Werk möglichst wenig belastet. Alle Maßnahmen wurden vom Bundesdenkmalamt dokumentiert und wissenschaftlich begleitet.
Besonderes Augenmerk legte das Bundesdenkmalamt auf die Einhaltung internationaler Restaurierstandards. Sämtliche Eingriffe wurden nach den aktuellsten Erkenntnissen der Konservierung und Restaurierung durchgeführt, um das Fastentuch für zukünftigen Generationen bestmöglich zu erhalten. Begleitende Forschung und Recherchen ermöglichten eine fachgerechte konservatorische Bearbeitung wie auch der kunsthistorischen Ausarbeitung des Werkes. Es ist auch beabsichtigt, die Ergebnisse dieser begleitenden Forschung ausführlich zu publizieren.
Das Bundesdenkmalamt übernahm auch die Vermittlungsfunktion zwischen Konvent, Fachleuten und Öffentlichkeit. Durch Beratung, organisatorische Unterstützung und fachliche Begleitung trug es wesentlich zum Gelingen des Projekts bei. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten machte es möglich, ein bedeutendes Werk der Barockzeit nachhaltig zu sichern.
Die Restaurierung zeigt exemplarisch, wie staatliche Denkmalpflege und kirchliche Institutionen gemeinsam Verantwortung für das kulturelle Erbe übernehmen. Die erfolgreiche Wiederherstellung des Fastentuchs unterstreicht die wichtige Rolle des Bundesdenkmalamtes beim Schutz, bei der Erforschung und bei der Vermittlung historischer Kunstwerke.
Während der Fastenzeit wird das restaurierte Fastentuch nun in der Karmelitenkirche Linz präsentiert und nimmt damit wieder seinen ursprünglichen Platz im liturgischen und kulturellen Leben ein.