Vom Spielplatz zur Archäologie: Kinder finden historischen Degen

Im März 2026 machten Kinder in einer Wohnanlage in Wien-Hietzing beim Graben einer „Wohnhöhle“ eine außergewöhnliche Entdeckung: In einer Böschung wurde ein 59 Zentimeter langer Degen mit einer Klingenlänge von 45 Zentimetern freigelegt. Der Fund wurde umgehend dem Bundesdenkmalamt gemeldet.

Nach Besichtigung der Fundstelle durch Fachleute des Bundesdenkmalamtes wurde der Degen gesichert und eine archäologische Vermessung sowie Erstdokumentation der Fundstelle beauftragt. Die Untersuchungen ergaben, dass sich der Degen in einer modernen Anschüttung befand, die im Zuge der Gartengestaltung des Grundstücks aufgebracht worden war. Leider war der historische Zusammenhang bereits dadurch verloren gegangen. Nach der Dokumentation wurde die Fundstelle fachgerecht gesichert und wieder verfüllt.

Laut Experten handelt es sich bei der Waffe um einen so genannten „Schweizerdegen“. Als Schweizerdegen wurde ein kurzes, spätmittelalterliches Schwert bezeichnet, das im 15. und 16. Jahrhundert von Schweizer Söldnern genutzt wurde.

Das Fundobjekt befindet sich derzeit in der Abteilung für Konservierung und Restaurierung.

Nach einer ersten Begutachtung sowie einer anschließenden eingehenden Untersuchung zeigte sich, dass sich das Objekt insgesamt in einem stabilen Erhaltungszustand befindet. Weder im Bereich der Klinge, noch am Griff sind bedeutende Fehlstellen erkennbar; die Eisenklinge wirkt nicht durchkorrodiert. Eine Entsalzung des Degens sowie seine Lagerung unter kontrollierten klimatischen Bedingungen sind vorrangig, um den aktuellen Zustand langfristig zu sichern und weitere Schäden zu vermeiden.

Die Kinder konnten sich nun vor Ort informieren, was es mit dem Objekt auf sich hat und wie mit archäologischen Fundstücken weiter verfahren wird. Christoph Blesl berichtete über die historischen und archäologischen Hintergründe. Murat Yasar erklärte wie Konservierung und Restaurierung bei archäologischen Objekten erfolgt. Robert Linke demonstrierte die technischen Möglichkeiten zur Gewinnung und Auswertung von Informationen am Objekt. Die Kinder konnten im Labor auch einen Blick durchs Mikroskop werfen und ihren Fund von einer anderen Perspektive aus kennenlernen.

Der Fund zeigt, dass selbst scheinbar alltägliche Orte noch spannende Spuren der Vergangenheit bergen können – und dass die Neugierde von Kindern manchmal zu bemerkenswerten archäologischen Entdeckungen führen kann.

So genannte archäologische Zufallsfunde sind meldepflichtig. Nur so können aus diesen Objekten wissenschaftliche Erkenntnisse zum Fundstück und zur Fundstelle gewonnen werden. Bei aller Begeisterung über diesen unerwarteten Fund haben Eltern und Kinder vorbildlich reagiert und beim Bundesdenkmalamt angerufen.