Fachgespräch zum Riesentor von St. Stephan: Forschung und Erhaltung 30 Jahre nach der Restaurierung

Eiun Mann spricht in einem Vortragssaal vor Publikum
Mag. Johann Nimmrichter spricht zur Polychromie des Riesentores von St. Stephan

Am 25. Juni 2026 luden das Bundesdenkmalamt und die Dombauhütte St. Stephan zum Fachgespräch „Das Riesentor von St. Stephan – Evaluierung und Nachsorge 30 Jahre nach der Restaurierung“ ins Curhaus am Stephansplatz. Die ausgebuchte Veranstaltung brachte nationale und internationale Expertinnen und Experten aus Denkmalpflege, Restaurierung und Forschung zusammen, um aktuelle Erkenntnisse und Herausforderungen bei der Erhaltung eines der bedeutendsten romanischen Portale Österreichs zu diskutieren.

Im Mittelpunkt standen die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungs- und Evaluierungsprogramms, das die zwischen 1995 und 1997 durchgeführten Restauriermaßnahmen am Riesentor wissenschaftlich überprüft. Johann Nimmrichter (Leiter der Abteilung für Konservierung und Restaurierung) gab einen Überblick über die Befunderhebungen von damals und ihre Relevanz zur Polychromie des Riesentors und die konservatorischen Maßnahmen.

Die Untersuchungen bestätigen den langfristigen Erfolg wesentlicher Maßnahmen, zeigen aber auch neue Herausforderungen auf. Besonderes Augenmerk gilt Feuchtigkeits- und Salzschäden im Sockelbereich sowie witterungsbedingten Belastungen einzelner Bauteile.

2024 wurde unter der Leitung von Andrea Hackel (Abteilung für Konservierung und Restaurierung) die neuerliche Zustandsbewertung vorbereitet. 2025 folgte gemeinsam mit den Restauratorinnen Anna-Maria Tupy und Susanne Leiner eine umfassende Evaluierung der vor rund 30 Jahren gesetzten Maßnahmen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für ein langfristiges Erhaltungskonzept und leisten zugleich einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Methoden der Konservierung und Restaurierung.

Bereits 2026 wurden erste dringend erforderliche Maßnahmen eingeleitet. Geplant sind unter anderem Schritte zur Reduktion von Feuchtigkeits- und Salzbelastungen im Sockelbereich des Trichterportals sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen für ein besonders witterungsanfälliges ornamentales Gesims, um die wertvolle romanische Originalsubstanz dauerhaft zu sichern.

Neben Vorträgen zur Restaurierungsgeschichte und zu aktuellen Forschungsergebnissen bot die Veranstaltung auch einen internationalen Vergleich. Fachleute aus Ungarn, Tschechien und Deutschland präsentierten Erfahrungen mit der Evaluierung und Nachsorge bedeutender mittelalterlicher Portalanlagen und unterstrichen die Bedeutung eines langfristigen Monitorings historischer Bausubstanz.

Das Fachgespräch verdeutlichte die zentrale Rolle kontinuierlicher Forschung und regelmäßiger Evaluierung für die nachhaltige Erhaltung historischer Originalsubstanz. Das Riesentor von St. Stephan gilt dabei als beispielgebendes Projekt für den verantwortungsvollen Umgang mit mittelalterlichem Kulturerbe und die langfristige Sicherung seiner einzigartigen historischen Zeugnisse.

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